So ziemlich jeder, der Webseiten im Netz veröffentlicht, weiß ja mittlerweile, dass man dafür besser keine fremden Bilder nutzt. Hunderte (Tausende?) deutsche Webseitenbetreiber erhielten in den letzten Monaten Briefe von Anwälten der amerikanischen Bildagentur Getty Images.

Neu ist allerdings, daß auch gekaufte Bilder keine Sicherheit bieten. Auf SpOn liest man:

151 Euro und 25 Cent hat der Münchner Physik-Doktorand Tassilo Keilmann am 15. Februar für dieses Wasserfoto bezahlt. Er kaufte bei der Fotoagentur Getty eine Lizenz für die Online-Nutzung, verwendete das Bild auf seiner Website über Wellness-Hotels.

Ein paar Wochen später bekam Keilmann wieder Post von Getty. Er sollte noch mal zahlen. Diesmal allerdings 2057 Euro - für die “unberechtigte Nutzung von Getty Images Photos”.

“Selbstverständlich” habe Keilmann “keine gültige Lizenz vorzuweisen”. Man werde “die Lizenz stornieren” und die dafür geleistete Zahlung als “Anzahlung auf unser Angebot zur außergerichtlichen Einigung anrechnen”.

Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lasse. Die gezahlten Lizenzgebühren werden nachträglich nicht als solche anerkannt, sondern als Anzahlung für die Abmahnkosten genutzt. Und das nicht von irgendjemandem, sondern von einer der größten Bildagenturen weltweit.

Interessant ist dabei auch, daß Getty Images erst kürzlich an eine Beteiligungsgesellschaft verkauft wurde, die wahrscheinlich erstmal den Verkaufspreis wieder hereinholen muß:

Im Januar 2008 stellte sich die Agentur selbst zum Verkauf und fand nach einmonatiger Suche einen neuen Eigentümer in der Beteiligungsgesellschaft Hellman & Fridman. Der Übernahmepreis beträgt inklusive Schulden 2,4 Mrd. Dollar, der Kaufpreis mit 34 Dollar je Aktie (55% Aufschlag auf den letzten Schlusskurs) 2,1 Mrd. Dollar.

Im abakus-Forum (abakus-account nötig) gibt sich der Abgemahnte ganz gelassen, da er schon von mehreren Anwälten das Angebot zur kostenlosen Verteidigung erhalten hat. Ich bin gespannt, wie die Sache weitergeht und könnte nicht mehr so gut schlafen.

Beunruhigend finde ich dabei aber besonders, daß amerikanische Anwälte scheinbar das deutsche Abmahnwesen entdeckt haben, um Kasse zu machen. Porno-Produzenten nutzen diese Geschäfts-Möglichkeit ja schon geraume Zeit.

Wer weiß, was als nächstes kommt.

3 Kommentare für “Absurdistan - Wie sicher sind gekaufte Bilder”

  1. Hmmm,
    das dreisteste an dieser Geschichte ist, diese Story in der Kategorie “Ideen die man zu Geld machen könnte” abzulegen.
    Schäm dich! ;-)

  2. Also da freue ich mich schon auf das Ergebnis der Verhandlung. Solange der gesunde Menschenverstand recht behält..

  3. @Thorsten: Ich provoziere eben gern. ;-) Aber das mittlerweile “Werke” nur erstellt werden, um mit Abmahnungen Geld zu verdienen steht für mich auch außer Frage. Teilweise speisen die Rechteinhaber ihre “Werke” meiner Meinung nach sogar selbst in die filesharing-Netwerke ein.

    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, daß getty images diesen Fall vor Gericht gewinnen kann. Aber Recht haben und Recht bekommen ist nicht immer das selbe.

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