Reggae in Deutschland

Reggae in DeutschlandReggae in Deutschland. Wenn Ihr nur ein Buch im Jahr kauft, dann sollte es dieses sein. Aus meiner Sicht ist es den Autoren Olaf Karnik und Helmut Philipps zum ersten Mal gelungen die deutsche Reggae-Szene und ihre Geschichte in ihrer Gesamtheit und Vielschichtigkeit zu beschreiben.

In insgesamt 15 Kapiteln erhält der Leser einen fundierten und abwechslungsreichen Einblick in die deutsche Reggae-Kultur. Es gibt einen mit wirklich interessanten Anekdoten angereicherten geschichtlichen Abriß, ein virtuelles Roundtable-Gespräch der wichtigsten deutschen Soundsystems über die Soundsystemkultur in Deutschland, ein Interview mit Gentleman, ein (nicht klischee-belastetes) Glossar der szenetypischen Begriffe und vieles, vieles mehr. Reggae in Deutschland wendet sich gleichermaßen an den eingefleischten Dancehall-Fan wie auch an den total unbedarften Leser, der noch nie eine Reggae-Party besucht hat.

Das erste Mal kam die deutsche Öffentlichkeit 1964 mit der karibischen Musik in Berührung, die 22-jährige Millie Smalls landete mit My Boy Lollipop einen Top10-Hit in den deutschen Charts und hatte auch einen ziemlichen chaotischen Gastauftritt im Hamburger Starclub. Ihr kennt den Titel sicher.

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Der offiziell erste deutsche Musiker, der mit der jamaikanischen Musik aktiv in Berührung kam, war Klaus Doldinger, der Millie Smalls mit 3 weiteren Musikern begleitete und später durch die Tatort-Melodie einem großen Publikum bekannt wurde.

Doldinger und seine 3 Musiker hatten große Sorge sich abends zu blamieren. Ohne Probe mit einer für sie unbekannten Musik vor eine geladene Pressemeute zu treten, bei der man als Jazzer bereits ein gewisses Renommee hatte, war nicht ohne Risiko. Um sich ein wenig unkenntlich zu machen, tarnte er sich mit einer blonden Frauenperücke und einer dunklen Sonnenbrille.

Bis dahin kannte man in Deutschland nur Musik über Jamaika aber nicht aus Jamaika (z. B. Vico Torriani 1958 die Jamaikafrau’n sind schön und kaffeebraun)

Von diesem Erstkontakt mir jamaikanischer Musik war es ein weiter Weg bis zu einer eigenständigen deutschen Reggae-Kultur, die auch internationale Top-Künstler wie Seeed oder Gentleman hervorbringt und seit nun schon mehr als 20 Jahren Europas größtes Reggae Festival veranstaltet.

In diesem Buch könnt Ihr erfahren was ein Dubplate von T.O.K. kostet, was ein Dubplate überhaupt ist, wie Reggae-Partys funktionieren, was Seeed in ihrem Song Water Pumpee eigentlich besingen, daß der Name des ersten deutschen Reggae-Produzenten niemandem mehr bekannt ist (nicht mal mehr seinen Künstlern von damals) und so viel mehr. So gut wie jeder deutsche Reggae-Künstler kommt zu Wort oder wird zumindest erwähnt.

Aktualität

Das Buch ist topaktuell. Es ist erst im Herbst 2007 erschienen und sicher auch nicht viel früher fertiggestellt worden. So habe ich in diesem Buch zum Beispiel zum ersten Mal gelesen, daß Deeroy’s Dubstore, der Laden in dem ich meine erstes Reggae-Vinyl (Nyah Man Chant von Bushman) gekauft habe, dichtmachen musste.

Fazit

Ich versuche ja schon seit einigen Monaten das Reggae- und Dancehall-Feeling mit den Reggae Artists der Woche hier ins Blog zu holen. Wer auch nur an einem dieser Künstler oder Titel seinen Spaß hatte, sollte dieses Buch lesen.

Wer nicht versteht, warum die Leute auf Reggae-Partys immer bei den besten Liedern so laut pfeifen, daß der DJ die Platte anhalten muß, sollte dieses Buch lesen. Wer Ronny Trettmann, Ganjaman, Seeed, Patrice oder Gentleman-Fan ist, sollte dieses Buch lesen. Wer wissen möchte, warum ausgerechnet die Bildzeitung eine der begehrtesten deutschen Reggae-Platten veröffentlich hat (Original-Aufschrift: “Platte auf den Teller und – HEY! – tanzen. REGGAE mit Ihrer Sekretärin, Ihrer Freundin oder gar mit Ihrer Frau”), sollte dieses Buch lesen. Wer immer noch denkt, daß Reggae nur Sunshine und Bob Marley bedeutet, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Reggae in Deutschland kostet nur 8,95€ und ist seinen Preis definitiv wert. Unbedingte Kaufempfehlung!

Reggae in Deutschland

You don’t haffi dread to be rasta, this is not a dreadlocks thing

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