Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast,

soll Winston Churchill einmal gesagt haben. Zumindest wird ihm dieses Zitat gern zugeschrieben.

Wie macht man das nun aber ganz konkret - Statistiken fälschen?

Um dies zu klären, habe ich einmal ein paar Tricks und Tips zusammengetragen, die vorführen, wie einfach es ist, mit Statistiken zu lügen und zu manipulieren. Ganz praktisch und zum Nachahmen geeignet.

Fast alle Tricks beim Lügen mit Statistiken beruhen darauf, unwichtige Details zu betonen und unpassende Fakten unter den Tisch fallen zu lassen, um damit etwas zu suggerieren, was nicht der Wirklichkeit entspricht.

Aaron Levenstein, ein amerikanischer Statistik- und BWL-Professor hat es einmal sehr treffend erklärt

Statistics are like bikinis. What they reveal is suggestive, but what they conceal is vital.

Die Statistik ist wie ein Bikini: Sie ist andeutungsvoll, aber das Wesentliche bleibt doch verborgen.

Teil 1. Die Durchschnitts-Falle

Anfangen möchte ich mit dem Durchschnitt als Mittel der Manipultion. Der Durchschnitt oder Mittelwert dient in der Statistik dazu, verallgemeinerte Aussagen über eine Menge zu machen. Wenn man verschiedene Gruppen mischt, kann man damit aber ohne zu lügen, die ungewöhnlichsten Aussagen treffen.

Um es zu verdeutlichen, kann man sich ja mal die beiden folgenden Beispiele vor Augen halten.

Beispiel 1 - Einkommensverhältnisse auf Jamaika

In einem fiktiven Land, auf einer sehr kleinen Insel, nennen wir sie Jamaika ;-) , wohnten genau 2 Menschen im erwerbsfähigen Alter. Einer der beiden Jamaikaner, Bob, hatte im Jahr 2005 genau 100 Dollar zur Verfügung, mehr verdiente er einfach nicht. Er hatte kaum genug zum Überleben.

Der andere dagegen, ein mächtiger Plantagenbesitzer, George, verdiente im gleichen Zeitraum 2.000.000 Jamaican Dollar. Im Jahr 2006 sah die Sache ganz ähnlich aus. Der arme Schlucker verdiente nur noch 90$, der andere dagegen sogar 4 Millionen.

Da der Industriemagnat aber den Lokalreporter gut kannte und schmierte, las man im Jamaican Gleaner unter der Übeschrift Insel der Millionäre folgendes:

Jamaikas Pro-Kopf-Einkommen lag schon 2005 über 1.000.000$. Das heisst jeder Jamaikaner verdiente 2005 durchschnittlich eine Millionen $. Und 2006 lief es für die Jamaikaner noch viel besser - der Durchschnitts-Jamaikaner hat in diesem Jahr sein Einkommen verdoppelt und verdient jetzt 2 Millionen$.

Die Regierung plant deshalb in Zukunft Suppenküchen und ähnliche soziale Einrichtungen abzuschaffen, da es dafür keinen Bedarf gibt.

Bob verstand die Welt nicht mehr.

Beispiel 2 - Das Hochschul-Ranking

2 fiktive Hochschulen, das Institut für Sportwissenschaften zu Oberammergau und die Internationale Wirtschaftshochschule von Unterammergau, haben beschlossen ihre Angebote für zukünftige Studenten vergleichbarer zu machen.

Die Oberammergauer sind richtig gut im Sport und mittelmäßig in betriebswirtschaftlichen Dingen. Die Unterammergauer sind dagegen gut, wenn auch nicht sehr gut in BWL, haben aber überhaupt keine Ahnung von Sport.

Es sollen Bewertungskriterien herangezogen werden, die alle ganz fair und gleichmäßig in das Ranking einfließen sollen.

Die Oberammergauer Universitätsleitung hält folgende Kriterien für fair:

  • Leistung der Studenten in den Sportkursen
  • Leistung der Studenten in den BWL-Kursen

Nach Konsultation mit seinem verschrobenen Statistik-Professor, schlägt der Unterammergauer Dekan vor, stattdessen 6 Kriterien zu verwenden:

  • Leistung der Studenten in den Sportkursen
  • Leistungen der Studenten bei außeruniversitären Sportveranstaltungen
  • Leistung der Studenten in den BWL-Kursen
  • Leistung der Studenten in den VWL-Kursen
  • Anzahl der Existenzgründungen der Hochschul-Alumni
  • Einkommen der Absolventen

Warum ist Unterammergau damit wohl nicht einverstanden?

Mit dem richtigen Durchschnitt kamm man fast alles erklären.

Dieser Artikel ist der Auftakt einer kleinen Serie Wie man mit Statistiken lügt auf Existenz24. Es folgen noch Teile zum richtigen Ausschließen von Ausreißern, der Wahl des richtigen Quantils und zum Spiel mit Korrelationen. Wenn die Serie gut ankommt, gibt es vielleicht noch mehr.

Wusstet Ihr zum Beispiel, daß die globale Erwärmung ganz eindeutig von der Anzahl der lebenden Piraten abhängt?

Wer keinen Teil der Serie Wie man mit Statistiken lügt verpassen will, sollte unbedingt den RSS-Feed abonnieren.

Und wem mein Geschwafel nicht ausreicht, für den ist vielleicht Lies, Damn Lies and Statistics: A Mathematical History das Richtige.

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